Apfelwein 2.0 – Die „Kritiker“.

29Mrz10

Der folgende Artikel von Captain Cork kann nicht unwidersprochen bleiben:

„Die „Zeit“ berichtet vom Comeback des Apfelweins. Doch der Captain kann an diesem Antiwein nichts finden. Manche Irrtümer werden auch durch Engagement nicht wahr. Und aus einem Notstandsgetränk wird kein Saft der Massen.

Es ist der Reiz des Beschädigten. Es ist die Kultivierung der Armut. Es ist der Schick des Understatments. Apfelwein, hessisch „Ebbelwoi“ genannt, soll wieder in Mode kommen. Findet die deutsche Wochenzeitschrift „Die Zeit [1]“. Und mit dem „soll“ hat sie recht.

Das „wird“, das „wird wieder in Mode kommen“, bezweifelt der Captain. Denn die Absatzzahlen von Apfelwein sinken seit Jahren. Wie jene vom Wein aus Trauben. Die Kinder trinken Alkopops, Schnäpse, oder eine Gummibären-Limonade aus Österreich. Dass die Deutschen so manche Plörre lieben, könnte dem Apfelwein helfen. Tut es aber nicht.

Apfelwein: Das Notstands-Getränk

Apfelwein ist ein Notstandsgetränk. Nachdem die Reblaus im 19 Jahrhundert die Weinberge leer räumte, blieb dem einfachen Volke nichts anderes über, ihre Tranquilizer aus Äpfeln zu keltern. Und weil Qualität damals generell kein Thema war, nahm man, was an Fallobst herumlag. So schmeckte der „Wein“ dann auch.

Daran hatte sich bis vor wenigen Jahren wenig geändert. Apfelwein war eine saure und untrinkbare Plörre, die höchstens skandinavischen, britischen und amerikanischen Touristen schmeckte. Und ein paar Einheimischen sicher auch; jenen, die nichts anderes kannten.

Nun haben sich ein paar engagierte Produzenten dem Apfelwein hingegeben. Mit der einfachen Einsicht, dass man durch Qualität und dem Einhalten von Standards schon viel gewinnen kann. Und es gibt ja auch fantastische Apfelsorten, eine Vielfalt, die leider Stück für Stück verloren geht. Dieser Verlust kann eventuell mit der Produktion hochwertiger Apfelweine aufgehalten werden.

Menschen wie Michael Stöckl [2]oder Andreas Schneider [3] keltern gut trinkbare, fruchtige und sortengenaue Apfelweine, die man, wie es auch der Captain gerne macht, im Hochsommer mit etwas Mineralwasser verdünnt, als Durstlöscher genießt. Wirklich genießt.

Doch der Plan, aus Apfelwein ein Getränk der Hochkultur zu machen, ist Humbug, muss scheitern. Bislang hat das auch kein hochpreisiger französischer Cidre geschafft. Und das hat seinen Grund.

auch die Vielfalt, die teils dramatische Unterschiedlichkeit der Trauben, kann Apfelwein nicht ersetzen. Muss er auch nicht. Es sind ja genug Trauben da.

Deswegen findet der Captain den fürchterlich anmutenden Mix aus Cola und Apfelwein (gibt es jetzt in der Dose) eigentlich die beste Verwendung für dieses eigenartige Getränk. Ein frischer, leicht alkoholischer Durstlöscher. Im Freibad. Wenn die Sonne scheint. Was will man mehr?

Doch wird dem Captain übel, wenn er von Apfelwein mit Rosenwasser hört (zugegeben: noch nie getrunken). Oder Apfelsekt (zugegeben: getrunken). Was der Captain gerne mal probieren würden, wäre ein Apfel-Eiswein aus Kanada. Der könnte ein Kultgetränk werden. Und auch teuer sein dürfen.

Apfelwein? Ein Schnaps ist besser

Nein, der Captain glaubt, dass der Apfel (wie manch andere Frucht) mit seinen Möglichkeiten nur einen Brand verträgt. Ein Destillat. Einen Schnaps. Und da gibt es ganz großartige Sachen, wie etwa die Apfelbrände des Kärntner Brenners Valentin Latschen (Pfau [4]). Hier wird aus der Frucht nun wirklich guter Alkohol gemacht, präzise, fruchtig, delikat. Der Captain liebt´s“

Nun, da hat aber mal jemand seinem Ärger Luft gemacht und sich so richtig ins Zeug gelegt. Der erfrischende Stil und die engagierte publizistische Arbeit für eine bessere Weinkultur, die aus den restlichen Artikeln dieses schönen Blogs spricht, haben bei diesem Posting schlicht versagt.

Wie soll auch jemand aus dem fernen Norden – Berlin – mehr als gehörtes, angelesenes und nur durch stichpunktartiges Probieren Wissen erwerben. Wissen über eine regional begrenzte, jahrhundertalte Spezialität. Ich habe selten zu einem solch ernsten und für einen immer grösser werdenden Kreis von Geniessern aktuellen Thema einen solch oberflächlichen und von gefährlichem Halbwissen geprägten Artikel gelesen. Während der genannte ZEIT-Artikel auch nur an der Oberfläche bleibt, versucht er doch die Fakten ans Volk zu bringen.

Ganz richtig wird erwähnt, dass bei der Veranstaltung „Apfelwein im Römer“ auch Stuart Pigott anwesend war und begeistert diverse Testergebnisse niederschrieb. Bei dieser enorm erfolgreichen Veranstaltung hätte auch der Captain Gelegenheit gehabt, sich über die unglaubliche Vielfalt der neuerdings produzierten Apfelweine und -schaumweine zu informieren. Und festzustellen, dass selbst die gewöhnlichen Schoppen aus Streuobst mittlerweile durch eine penibel saubere Keltertechnik zu unerwarteten Köstlichkeiten werden können.

Die Zeiten, als der saure, unsauber aus allem, was die Wiese hergab gekelterte Schoppen nur von Einheimischen trinkbar war und eben nicht von Touristen, sind ein für alle Mal vorbei.

Den Ratschlag, Stöckls oder Schneiders Weine als „Durstlöscher mit Mineralwasser verdünnt“ zu geniessen, würde ich in deren Gegenwart lieber nicht äussern. Das heisst erstens „Gespritzter“ und würde zweitens zu einer mit dem Gesäss voran eingesprungenen Gesichtsberührung führen.

Ich wäre gespannt, zu sehen, ob bei einer Blindverkostung mit Weinen der genannten Herren und einiger zarter Weiss- oder Grauburgunder der Captain nicht auch heftig verunsichert wäre ob der eindeutigen Zuordnung Traube/Apfel.

Der Erfolg, den die Jungs von Bembel with Care mittlerweile mit ihren pfiffigen Dosen haben, lässt sich auch nicht durch die geschmackliche Verirrung „Apfelwein mit Cola“ schmälern. Selbst hierfür gibt es Fans, gerade bei jungen Leuten, die in vermehrtem Masse den Apfelwein wiederentdecken und ihn somit vom Image der verstaubten Rentnerdroge befreien. Jedenfalls sind die einschlägigen Ebbelwoiwertschafte, die selbstgekelterten oder von ausgesuchten Produzenten handwerklich gekelterten Apfelwein anbieten, voll.

Ich rate dem Captain dringend, einmal hessische Gefilde anzusteuern, sei es beim nächsten Annelsbacher Apfelweintag, beim nächsten Apfelwein im Römer oder auf einer privat geführten Tour durch die einschlägigen Etablissements. Ich spiele gerne den Lotsen.

Dann gibt es Gelegenheit, die Schoppen tatsächlich einmal zu probieren, über die bislang nur geschrieben wurde. Und ja, der Eiscider aus Quebec ist ein Knaller.

Da selbst hochpreisiger französischer Cidre immer noch ein Kindergetränk ist und mit Apfelwein soviel zu tun hat wie Prosecco mit einem Chablis, ist der Schluss, den Plan, Apfelwein als Getränk der Hochkultur zu etablieren als Humbug zu bezeichnen, genau dies: Humbug.



6 Responses to “Apfelwein 2.0 – Die „Kritiker“.”

  1. Wie heisst den bittschön der dreck von cola und moooscht…?
    Bembel with Care = Mooscht 2.0
    des isch wia hilton eideiedei blubberwasser in der doos
    tschuldige bin schwob bei uns gibbsts koin äppelwoi net… …
    isch tääts ja mol probiera, goht über schtudiera… prooscht

    ich hab euch allen noch den tip : das buch „Alles ist zum Weinen“
    von Hartmut Klein…

    • Ich trinke gerne Moscht aus em Ländle, wenn er nicht aufgezuckert ist. Der Opa eines Freundes hat schon immer 1% Zucker zugegeben. Warum? „Weil mers immer scho so gmacht hen“. und weil es zu knapp 9 Vol.% Alkohol führt.
      Dieser Most geht genau zwischen die Lichter.

      Das Zeug mit Cola geht gar nicht, ein grauslicher Geschmack.
      Aber die anderen Schoppen der Jungs sind gut, kommen von der Kelterei Krämer im Odenwald.

  2. Stöckls un Schneiders Werk in allen Ehren, alles hervorragende Weine, ich mag sie sehr! Und trotzdem: Der Ebbelwoi muss petze! En knorzige Speierling is mir allemal lieber. Und was sonst käm‘ gegen en ordendlische Handkäs an? Isch hab‘ des Zeuschs mit der Muddermilch (na, eher Vaddermilch) eingesoge. Ebbelwoi war der täglische Begleiter zum Abendbrot. Und was der Alte trinkt, will der Junge natürlich auch.

    Ein gefälliger Apfelwein, weichgespült für die Massen? Gut, dass daraus nie was wird! Da bleib ich lieber ein verschrobener Lokalpatriot. Ach ja: Bei Cola trink ich auch lieber das Original, pur natürlich.

  3. Ich bin ja auch noch einer der alten Schule und suche eher die kernigen Schoppen.
    Obwohl es mittlerweile von mir Fotos gibt, die mich Apfelwein aus einem Weinglas trinkend zeigen, neige ich eher der Geripptenfraktion zu.
    Wogegen ich mich allerdings wehre , ist die Haltung einiger Kelterer, den Schoppen wie gottgegeben aus allem zu machen, was so herumliegt oder runterfällt.
    Habe gerade in den letzten Wochen beim Wiederbesuchen einiger alter Wirtschaften im Umland von Frannkfurt festgestellt, dass der „Frankfurter Ton“ aka flüchtige Säuren aka Essigstich sogar schon beim Neuen dominant ist.
    Pfui Deibel. Denen werden wir auch noch das Handwerk legen.

  4. 5 The Everlasting Club

    Wirst langsam zum Stuart Pigott des Apfelweins…

    Alex

  5. 6 The Everlasting Club

    Achja : Wegen Ostern haben sie dieses Jahr den Schillermarkt von Freitag sowie den Konstabler-Markt von Samstag auf den heutigen Gründonnerstag vorverlegt. Es findet ausserdem ein Apfelweinfest mit kostemlosen Ausschank von etwa 100 Litern Appler statt solange der Vorrat reicht.

    A.


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