Tierbilder, 4. – Die Garnele.

04Feb10

Um andere am eigenen Glück teilhaben zu lassen, bedarf es manchmal nur wenig. Es wäre auch falsch, kulinarisch verbundenen Seelen einen Geheimtip vorzuenthalten, besonders, wenn anzunehmen ist, dass auch ein durch eine Publikation verursachter Zuwachs an Gästen wohl kaum etwas an der Qualität ändern wird. Das ist dann der Fall, wenn der Laden ohnehin immer brechend voll und das Essen nicht mehr zu verbessern ist.

Von einer ganz erstaunlichen Erfahrung aus unserer letztjährigen Erholungsexkursion möchte ich nun hier berichten.

Die geschmacklichen Vorlieben des gemeinen Touristen zeigen meist zwei Extreme. Einerseits der billige Massengusto, der seine Träger zu den Touristentempeln á la Futtern bei Muttern in die Fritierhallen und Salons der bebilderten Speisekarten treibt, andererseits die Gruppe der Besserverdienenden, die sich meist ohne wirkliches Wissen um Qualität und Wertigkeit einer Regionalküche sich in Edeltempeln abzocken lässt. Als unermüdliche Sucher nach dem Guten im Einfachen kam uns beim dritten Besuch im Restaurant Caramull in Jalón (davon später mehr in einem anderen Beitrag) die Idee, die überaus nette und kompetente Wirtin/Köchin einmal zu fragen, wo man denn ungestört von Touristenhorden und ohne grünstichiges Foto des Essens einmal eine originale, gute Pella essen könne. Sie nannte uns sogleich ein in der Nähe gelegenes Restaurant, das wir dann einfach mal so an einem Samstag nachmittag gegen 14 Uhr aufsuchten.

Versteckt in einem verschlafenen Dörfchen im Hinterland gelegen, wäre es fast unserer Aufmerksamkeit entgangen, wenn nicht ein Grundgeräusch aus klapperndem Brummen hätte vernommen werden können. Wir traten an die Bar, an der einige ältere Herren lautstark bei Oliven und alkoholischen Getränken Sportereignisse diskutierten und machten uns über den Lärm des mit ca. 150 Gästen relativ gut besuchten Lokals beim Barmann mit der Frage lächerlich, ob wir zu zweit denn etwas essen könnten.

Ob wir denn reserviert hätten? Nein.

Ja dann gäbe es erst am Montag mittag wieder Platz. Wir reservieren für Montag. Paella.

Montag nachmittag 14 Uhr. Das Lokal ist voll; einzelne erkennbare Deutsche, viele Spanier. Wir bestellen. Auch Wein. Der ist kühl, ein Haus-Rosé vom Fass

und lecker. Und inclusive. Wir werden nach Wünschen für den Vorspeisensalat gefragt. Als Puristen nehmen wir nur

Unnötig, zu betonen, dass diese hochvegetarische Speise auch mich aufs Höchste begeisterte. Vielleicht schwang aber auch schon die Vorfreude mit auf den Verzehr eines meiner Lieblingstierchen, der Garnele. Erfreut sie mich doch allein schon durch den treuherzigen Blick ihrer schwarzen Knopfäuglein, der einen durch das ganze Essen begleitet. Selbst nach abgeschlossenem Mahl scheint sie mir noch zuzuzwinkern, wissend um den Genuss, den sie mir bereitete.

Nun wird sie aufgetragen, die nichttouristische Paella. Und wir staunen.

Wer die Muschel-, Hühnchen-, Calmares-strotzenden, mit einzelnen Gambas gespickten Normpfannen gewohnt ist, wird sich wundern ob des klaren Konzepts. Nur Kaninchenfleisch, Gambas, grosse weisse Bohnen, Spuren von Paprika. Das wars. Man gibt sich gar nicht erst den Anschein, Safran zu verwenden und verzichtet also auch auf die mittlerweile üblich gewordene Speisefarbe. Dafür verwendet man gute Brühe. Oder was auch immer.

Es ist köstlich.

Und endet so

Das war aber noch nicht alles, das Dessert folgt. Obst. Frisch. Reif.

Und das alles kostet

Ja, man schaut zweimal hin und glaubt es kaum: Salat, Paella, Obstteller, Flasche Wein für 10 € pro Person. Da:

Man könnte auch Lamm und Schwertfisch essen, aber ich habe das auf keinem Tisch gesehen.

Spannend war vielmehr der Blick in Küche, wo auf ca. 6 – 8 grossen, hochlodernden Flammen Paellapfannen bis hin zum 80cm-Format brutzelten.

So danken wir denn der Wirtin und Köchin, die dort selbst isst, wir danken der kleinen Garnele.



7 Responses to “Tierbilder, 4. – Die Garnele.”

  1. 1 puschenteil

    lecker…
    da bekomm ich richtigen hunger

  2. Solche Restaurants sind genau das, was mich immer wieder nach Spanien zieht. Man findet sie üblicherweise dort, wo die Touristenströme genau in die andere Richtung laufen. Einfach mal in ein Lokal gehen, in dem die arbeitende Bevölkerung ihre Mittagspause macht. Wenn im Lokal niemand Deutsch oder Englisch spricht, dann bekommt man wahrscheinlich ein tolles und preiswertes Essen.

  3. Haben die auch nen Lieferservice…
    ich würde gerne bestellen !

  4. 4 Ulla

    Hallo Fressack,
    fünf Jahre noch, dann musste für alles büßen:
    http://www.mattwagner.de/2010/02/zuruck-aus-der-zukunft.htm#links
    Bis dahin jedoch viel Spaß. Lese immer gern bei Dir.

  5. 5 Ulla

    Sorry, Greenhorn

  6. War leider im Spam hängengeblieben, habe den Doppelpost entfernt.
    Willkommen im veganen Paradies. *prust*

  7. Die sehen ja fabelhaft aus, ein wirklich tolles Rezept, bin sicher dass, das wahnsinnig gut schmeckt.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: