Die Tüte, der Koch, der Spass und die Ehre.

21Okt08

Wie bereits im Netz HIER und HIER und HIER verbreitet, der fressack war bei Maggi. Im Kochstudio. Ganz offiziell.

Dank einer Einladung des WORTTEUFELMANNS hatte ich die Gelegenheit, einen der bestaussehendsten Kollegen, unseren Horst Lichter,

kennenzulernen und mich drei Stunden köstlich zu amüsieren.

Wohl wissend, dass der Spott und die Häme, die der Sternekollege schon erdulden musste, auch über mir ausgegossen werden wird, kann ich dennoch nur einen gelungenen Abend verbuchen.

Horst Lichters Rechtfertigung für seinen neuen Promotionjob „klar ist das auch wegen Geld“ kann ich sogar nachvollziehen. Wer den Grossteil der versammelten Hausfrauen und Hobbyköche beim Zubereiten von Nahrung beobachtet, kann im Prinzip für die präsentierten Kochhilfen, und nichts anderes sind diese Produkte, dankbar sein. Wann soll man denn noch Zeit haben, eine ordentlich gebundene Sauce herzustellen, wenn allein Schneide- und Wickelarbeiten sehr viel Zeit beanspruchen?

Wer zusieht, wie sich durch den unbeschwerten Einsatz grosser Hitze eine neue Kochtechnik – ich nenne sie mal „kremieren“ – etabliert, ist froh über das Angebot an Brandschutzversicherungen.

Da an anderer Stelle pauschal über „Glutamatbomben“ und ähnliches Teufelswerk geschrieben wurde, sei zur Ehrenrettung von Horst und der neuen Produktlinie gesagt, dass zumindest Glutamat und Konservierungsstoffe in dem Zeug nicht mehr vorhanden sind. Die enthaltenen Hefeextrakte, Bindemittel und „Aromen“ sind schon bedenklich genug.

Aber was ist denn die Alternative?

Kochen lernen. Wie früher bei Mutti oder besser noch bei Oma. Die hat nämlich alles frisch gemacht und als Highlight gab es einen kleinen Spritzer

von der braunen Würzsauce. Schon immer und es war yummy.

Die prominenten Köche müssen sich genau wie wir alle um die Existenzsicherung kümmern. Ob man da nun lustige Zangen, Pfannen, Gewürzmühlen oder eben Tütenschlonz bewirbt, ist ziemlich egal. Das moralisch zu bewerten, masse ich mir auch nicht an. Mir ist es lieber, die Hausfrau kauft ein frisches Stück Fleisch beim Metzger und überzieht es mit der angerührten Tütensosse als gleich zu den vorgefertigten TK-Gerichten zu greifen.

Wenn da mal die selbsternannten Moralwächter nicht zu der Gruppe gehören, die die so hochwertigen Produkte wie z.B. natives Olivenöl zum Schnäppchenpreis bei den bekannten 4-Buchstaben-Discountern kaufen.

Horst hat jedenfalls den interessierten Teilnehmern durchaus nützliche Tips

und Anleitungen geben können. Es wurden abgesehen von den Würzsaucen und dem mir persönlich unangenehmen Putenfleisch ausschliesslich frische Produkte verwendet.

Habe ich eigentlich erwähnt, dass es auch eine schöne Getränkeauswahl gab?

Und dass man davon haben konnte, soviel man wollte?

Mein Rat an die Kritiker: Lasst die Tüten weg, kocht selber.

Der Wortteufelmann und ich

hatten jedenfalls einen schönen Abend.

Und wären nicht allein schon diese

nougatgefüllten Marzipanpralinchen auf zwei Beinen Grund genug gewesen, da hinzugehen?



12 Responses to “Die Tüte, der Koch, der Spass und die Ehre.”

  1. 1 wortteufelmann

    😆
    Für die „nougatgefüllten Marzipanpralinchen auf zwei Beinen“ wirst Du zur „Strafe“ nochmal eingeladen um Dich zu entschuldigen. Also von Ma.g.gi nicht von mir 🙂

  2. Nur kein Neid, WTM…

  3. *nougatgefüllten Marzipanpralinchen auf zwei Beinen*
    …sind echte Argumente 🙂

  4. .. ich überlege, ob das nun ein Kompliment oder frauenfeindlich ist 😀

  5. da fällt mir der Entscheid schwer, welche von den Beiden der Schönere ist.

  6. Wenn Herr Lichter es schafft, mit seinem Tütenquatsch 100 Menschen in Deutschland dazu zu bringen, mit frischen Zutaten zu kochen statt auf Tiefkühlpizza und Fertiggerichte zurück zu greifen, find ich das gut.

    Essen muss ich es ja trotzdem nicht.

  7. die Getränke kamen aber aus der Flasche, nicht auch aus der Tüte?…….

  8. Kurios sind meines Erachtens nach, doch die Maggi und Frosta „Restaurants“ in welche sich Menschen freiwillig hinsetzen um Gerichte aus diesen Produkten zu verzehren. Und das bezahlen.

  9. Frosta benutzt immerhin weder Geschmacksverstärker noch Konservierungsmittel. Da geht es einem an jedem Imbiss schlechter.

  10. Diese Ähnlichkeit… hast Du darüber schon mal mit Deinen Eltern gesprochen? Was hatte die Blonde denn im Tee? Das kann doch nicht nur vom Maggi gewesen sein.
    Übrigens: schon Pläne wegen fress:publica09?

  11. ah, endlich mal jemand der pute auch eklig findet!!
    die ist irgendwie immer schmierig, sogar wenn die pute grade erst verschieden ist…. *uahhhh*

  12. „kremieren”
    Wunderbar. Danke.

    „Wie früher bei Mutti oder besser noch bei Oma. Die hat nämlich alles frisch gemacht und als Highlight gab es einen kleinen Spritzer, von der braunen Würzsauce. Schon immer und es war yummy.”
    Wieder danke. Meine Mutter macht immer diesen Spritzer an den Kartoffelsalat zu Echten Frankfurtern. Muss sein.

    „mir persönlich unangenehmen Putenfleisch”
    Erneut danke. Ich weigere mich seit Jahren offensiv, Rezepte mit Putenbrust zu entwickeln. (Steaks aus den Oberschenkeln sind dagegen nicht schlecht.) Aber auch mit allem anderen aus dem Maggiregal (man glaubt nicht, was welche Redaktionen bzw. die damit verkochten Anzeigenabteilungen wünschen…). Und bemühe mich um Verständnis, dass Charme-Attacken von Lichter und Nougatpralinen den Engelswirt Kreide naschen lassen.


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