Oops!, 4. – Jetzt trifft es die Eltern.

07Sep08

Jetzt hat mein bekanntes Auf-den-Schlips-treten-Talent die nächste Volksgruppe getroffen. Und es tut mir nicht einmal leid.

Die Eltern sind schon ein merkwürdiges Völkchen. Im Gegensatz zum Tennisclub oder der Jazztanzgruppe (das wäre übrigens auch eine Zielgruppe für mich, ha,ha) schliesst man sich zur Elterngruppe ja nicht freiwillig, sondern durch gemeinsam erlittene schwere Schicksalsschläge – die Geburt eines Kindes – zusammen. Das ist fast wie bei den anonymen Alkoholikern.

Chris K.s Vermutung, die Rabeneltern hätten ihre Brut allein gelassen, kann ich so nicht bestätigen. Der einzig anwesende Vater erklärte auf mein Nachfragen, das Kind sei unter Aufsicht und er geniesse es, zum ersten Mal in Ruhe und allein essen zu können. Der hatte übrigens als einziger ein veritables Hauptgericht und sogar zwei Getränke in 3 (!) Stunden. Seine Rechnung kam immerhin auf 13.00 €, was den Schnitt erhöhte.

Ich erinnere mich noch genau, als meine Fortpflanzung erfolgt war. Die Gelegenheit, einmal allein ausgehen zu können, habe ich dann auch gebührend gefeiert.

Ich habe zwar ein gewisses Verständnis, wenn in den heutigen schweren Zeiten eine junge Familie etwas genauer auf den Cent schaut, dieses Verständnis geht mir aber total ab, wenn es zur Genussverweigerung führt. Diese akzeptiere ich bei keinem.

Warum treffen diese Leute sich nicht reihum, um dann einfach zuhause nichts zu essen und nichts zu trinken? Das ist doch billiger. Oder man kann die leckeren Getränke und Snacks der Billigdiscounter auftischen. Das ist schliesslich auch Ernährung und keiner kommt alle zehn Minuten vorbei und fragt nach Möglichkeiten, seine Miete zu bezahlen. (Obwohl der Ertrag von 80 Euronen nicht einmal die Kosten für die eigens für diesen Tag bestellte Bedienung deckt.)

Glücklicherweise mussten keine Tischdecken gewaschen (die habe ich nicht) und zusätzliches Besteck gespült werden (das steht in Dippchen auf dem Tisch und wurde ja nicht benutzt). Auch Servietten habe ich gespart.

Um es zu wiederholen: Die Erfahrung zeigt, dass aus solchen Gästen keine Stammgäste werden.

Und zu meiner Ehrenrettung muss ich noch betonen, dass durchaus am Tisch kassiert wurde und nur die letzten vier der Runde an die Theke zum Bezahlen kamen. Nachdem ich fünfmal (!) in einer Stunde ohne Auftrag vom Tisch zurückkam, wollte ich den guten Menschen einfach nicht mehr auf die Nerven fallen.

Habe ich übrigens erwähnt, dass wir als kinderfreundliches Lokal bekannt sind? Wir sind offen für alle Sonderwünsche und Spezialportionen und die Biester erfahren bei uns eine zuvorkommende Behandlung.

Es sind die Gäste von morgen. Bei manchen Eltern ist es allerdings zu spät.



5 Responses to “Oops!, 4. – Jetzt trifft es die Eltern.”

  1. Ich gehöre ja selbst zur Spezies Eltern. Und ich kenne die oben beschriebenen Verhaltensweisen von Elterngruppen, die aber auch bei anderen Gruppen anzutreffen ist (z.B. Jazztanzgruppen o.ä.).

    Schlimm! Einer solchen Gruppe anzugehören ist kein Grund, sich genussfeindlich zu verhalten. Im Gegenteil – man muss sich ja auch mal was gönnen! Ich weiss nicht, ob ich ohne gutes Essen und guten Wein die Strapazen des Eltern-Daseins überstehen würde…

    Vielen Dank für diesen Post, ich habe ihn gestern Abend meiner Frau vorgelesen, und wir haben über die treffenden Beschreibungen herzlich gelacht!

  2. 2 frauechse

    ich werbe mal eben um ein bisschen verständniss:
    auch ich MUSS ab und zu in sogenannten elterngruppen in irgend einer lokalität sitzen.
    wie gesagt: MUSS.
    (schule, kindergarten, vereine fordern mein engagement als liebende mutti und verlangen präsenz, ich hasse das!!!!)
    wenn ich also in so einer tollen runde sitzen MUSS dann bestelle ich möglichst nichts um schnell da wieder weg zu kommen. ein 3-gänge menue wäre klasse, aber bitte nicht in so schauriger gesellschaft. ich nippe an der selters, lächel blöd, lausche den anekdoten der widerlichen angebereltern über ihre zukünftigen atomphysiker und will nur eins:
    so schnell wie möglich da weg!

  3. 3 fressack

    Die hatten aber drei Stunden Spass miteinander, auch ohne Getränke.

  4. meistens geht man nach dem elternabend mit den 3 anderen eltern, denen man freiwillig mehr als 1 wort widmet, und einigen mitlaeufern, in eine nahegelegene gaststaette.
    normalerweise ist es dann so spaet, das es sich nicht lohnt noch zu essen.
    aber saufen muss man wenigstens, damit man den zuvor 3 stunden lang angehoerten hilfspaedagogischen vollschrott vergessen kann.
    habe ich schon erwwaehnt, das dies ein aspekt ist, auf den ich bei der erneuten elternschaft gut haette verzichten koennen?
    wird ja nicht mehr lange dauern, fuerchte ich.

  5. Hallo,

    was soll man mit anderen Eltern machen, als irgenwohin zu gehen? Nach Hause einladen? … Doch lieber nicht.

    Selbst Kochen ist die Devise für permanent klamme Eltern-Geldbeutel. Und da kann man mit den Grundzutaten, die es im Discounter gibt, durchaus leckere, genussvolle Gerichte zubereiten.

    Wer auf Fleisch, Fisch und frisches Gemüse steht, kann sich als dauerklammer Elter (Singular von Eltern) nur auf BMI 16 einstellen und hoffen, dass der Nachwuchs bald selbst Geld verdient 😉


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