Ärgerwein.

29Jul08

Wieder habe ich mich geärgert. Über einen Wein.

Olivier B. – Ein Besessener, ein Quereinsteiger, ein Spätentwickler.

Eine Entdeckung. Auch von meinem Sommelier-Freund Claus Niebuhr. Der hat den Herrn besucht und, auf einem Mäuerchen auf dem Weingut sitzend, bei der Verkostung des gezeigten Tropfens erfahren, was ihn diesem steckt. Selbstverständlich wurde beim Sitzen auch getrunken.

La Derniere 2005 ist – nomen est omen – der Letzte aus der gemeinsamen Produktion mit einem Geschäftspartner. Dieser wollte den Marketingerfolg, Olivier B. nicht. So wird er allein weitermachen, wohl mit der gleichen Qualität.

Eine extreme Selektion von Trauben – Syrah, was sonst – alter Reben eines winzigen Weinbergs der Côtes du Ventoux, 18 Monate im Holz gelassen. Bei Blindverkostungen in der gleichen Liga wie die grossen Croze Hermitages. Nicht ganz billig. Aber preiswert, ca. € 40.

Da geht der Ärger los: Beim Öffnen und dem schwungvollen Herausziehen des Korkens zieht schon eine Duftspur nach Kirschen, fast wie bei einem Sauerkirschbrand um die Flasche. Mein Gegenüber, ein Freund, der die Flasche spendiert, riecht das auch. Erstaunter Blickwechsel.

Nun wird eingeschenkt, der Duft verstärkt sich, es wird anerkennend gegrunzt und der Ärger macht sich bemerkbar. Schwenken, Gegen-das-Licht-halten, tief dunkelrot bis violett, der Duft wird stärker, der Ärger auch.

Der erste Schluck.

Ansehen, Kopfschütteln, fast Fassungslosigkeit.

Dunkle Kirschen, schwarze Johannisbeeren im Hintergrund, ein Hauch von Kräutern – Rosmarin, Eisenkraut? – dann diese unglaubliche Fruchtexplosion mit Spuren von Himbeeren, wieder Lakritz, eine zarte Süsse.

Der beste Syrah, den ich seit Jahren, wenn nicht überhaupt gerunken habe.

Ein Ärgerwein. Ärgerwein?

Ein Wein, bei dem man sich beim ersten Schluck ärgert, dass man nicht schon die zweite Flasche geöffnet bzw. vorrätig hat, um weiterzutrinken. Ärger bei jedem Schluck.

Bis zum Ende.



2 Responses to “Ärgerwein.”

  1. Ärgern ist nicht gut, macht nur Falten. Mein Vorschlag: Das nächste Mal einfach die Flasche nicht öffnen und mir rüberschicken. Oder die restlichen Flaschen gleich abgeben, ich ärgere mich nicht so schnell…

  2. Oh? Man kann auch einen Wein beschreiben, ohne schwachfugige Begriffe wie „dropsige Nase“ zu benutzen? Neulich in einer Weinkritik gelesen: „dichte Nase“ – meine spontane Idee: Muttu putzen!


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