Je später der Abend…

19Feb08

Man macht es doch einfach gern.

Schaut nicht auf die Uhr; und wenn doch, ist man erstaunt, dass es ja wirklich schon halb drei ist. Fast wie bei einer der legendären Parties, wo eine heftige Diskussion in der Küche plötzlich unterbrochen wurde durch den brüllenden Gesang einer Amsel auf dem Baum vorm Fenster. Rausschauend entdeckt man, dass es hell wird.

Gute Gäste sind das Salz in der zuweilen eintönigen Suppe der Gastronomie. Um 22:00 Uhr geht der grösste Teil der Gäste heim. Es bleiben zwei Tische. Gedanken kommen auf, man könne ja noch bei Kollegen um die Ecke einen Schoppen nehmen und dem Musiker lauschen, der heute dort spielt.

Das Geschäft ist gemacht, leidlich sind die Kosten eingfahren. Kein schlechter Tag. Nun gibt es Wirte, die finden die nötigen höflichen Worte, um dem Gast nicht das Gefühl zu geben, rausgeworfen zu werden. Dass nun der eine Gast mir eine D*vidoff #2 anbietet, nur damit seine Leute rauchen können – jetzt, wo wir unter uns sind – ist ein ganz perfider Trick. Er funktioniert. Ich hole die Aschenbecher.

Der weitere Konsum dieses Tisches ist ökonomisch nicht den weiteren vier Stunden angemessen, die man jetzt noch in seinem Laden verbringen muss, wohl aber der Spass.

Mitlachen, Mitreden, Zuhören, Teilnehmen. Das sind Faktoren, die unseren Beruf – unsere Berufung – erträglich, spannend, lohnenswert machen.

Nicht der Gast, der schweigend eine grosse Zeche macht, sondern der lärmende, lachende kreischende Tisch mit den Verrückten, die um 3 Uhr die achte Flasche Wasser zu ihren drölf Schoppen ordern und sich die Köpfe rauchig reden; der ist es, der mich gerne Wirt sein lässt.

Auch morgen wieder.

Das wollte ich schon immer mal sagen.



11 Responses to “Je später der Abend…”

  1. Und deshalb hocken wir lieber in einfachen, gemütlichen Wirtshäusern, als bei aufgeplusterten Spitzengastronomen, die uns mit einer Wachsfigurenkabinettstimmung und Warenhausmusik quälen.

  2. Ein wenig Niveau wäre noch ganz schön,
    denn oft muss es auch ohne gehn.
    Ich find’s persönlich nicht so prall,
    geht’s im Gespräch um Lull und Lall.

    Ouups 😉

  3. ot:
    “ Südostasien gilt als die Ur-Heimat aller Zitrusfrüchte. Anders als die subtropische Zitrone sind Limetten echte tropische Früchte, nicht so sauer und viel aromatischer als Zitronen. In Deutschland ist meist nur die gewöhnliche Limette erhältlich, die auch Limone genannt wird. Die echte Limette ist die ursprünglichere Form, kleiner und enthält noch viele Kerne.“
    hab ich grad gelesen.

  4. … und jetzt hab ich noch mehr Lust, mal Gast zu sein 🙂

  5. 5 fressack

    @nina: jaaaaaaaaahhhh, sie lebt noch, sie lebt noch….

    @wortteufel: Dann wird es aber wirkllich mal zeit! Ich brauche jeden Cent.

    @ Mike: Macht ja nix.

  6. Ich werde dich an diesen Eintrag erinnern, wenn wir am 20. April morgens um 6 den letzten Äppelwoi/ersten Kaffee bestellen.

    Ha!

  7. 7 fressack

    Kaffee? Der ist für Mädchen.

  8. 8 Petra S.

    also doch kein Hotel, sondern gleich in den Zug

  9. 9 fressack

    Na, Ihr werdet Euch doch wohl frischmachen wollen fürs Frühstück, oder?

  10. @Claudio: Frag mal in der Sternegastronomie, wann die zusperren. Wenn da ein Gast ein paar hundert Euro hingelegt hat, darf er danach auch entscheiden, wann’s nach Hause geht. Manchmal lustig, aber nicht immer (diese Gäste sind nicht immer ein Spaß…)


  1. 1 Bernhard Fiedlers We(in)blog » Blog Archiv » Sternstunden im Winzerdasein

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