Oops, 3. – Fasten mit Fressack, 2. – Jetzt sind die Religiösen betroffen.

11Feb08

Ich habe offenbar ein Talent, Leuten auf die Füsse zu treten und zum Teil heftige Reaktionen zu provozieren. Das mag daran liegen, dass ich selten Rücksicht auf Befindlichkeiten nehme, wenn es mich wieder drängt, meine Meinung zu äussern. Ich meine, meist ist Ehrlichkeit angebrachter als Höflichkeit.

Vegetarier haben bei mir ja schon einen schweren Stand, Veganer werden von mir gar verachtet und entsprechend behandelt (mit sanftem Spott, wie ich meine), und jetzt hat es wohl die nächste Gruppe erwischt:

Die Religiösen.

Grundsätzlich freue ich mich, wenn auch Mitglieder aus Randgruppen oder Sekten, wie z.B. der katholischen Kirche (Oops, 4.!) sich mit den für mich wahren Werten wie z.B. Genuss beschäftigen. Auch ein Kirchgänger hat die Chance, etwas sinnvolles wie Kochen oder Essen in die Zeit zu legen, die er sonst mit eben diesem Kirchgang verplempern würde. – Im Ernst: Messwein ohne Jahrgangsangabe und Oblaten sind für mich nicht die ideale Sonntagskost –

Jetzt kommt von katholischer Seite (commentarium.de) ein Post zu meinem kleinen Fastenratgeber. Ich darf daraus zitieren:

Die erste Grundhaltung: Ich selbst mache alles richtig, also habe ich keine Umkehr nötig. Ich ernähre mich immer gesund, warum sollte ich an meinen Ernährungsgewohnheiten etwas ändern? Fasten heißt demgegenüber: Umkehr. Fasten heißt, einen realistischen, selbstkritischen Blick auf das eigene Tun und Treiben zu werfen und schlechte Gewohnheiten abzulegen. Wer glaubt, er habe keine schlechten Gewohnheiten, der belügt sich selbst.Die zweite Grundhaltung: Wenn das, was ich tue, dem Herrn nicht gefällt, hat er eben Pech gehabt. Ich selbst setze mir das Maß und messe Gott an meinem Maßstab. Fasten heißt demgegenüber: Buße. Fasten heißt, sich mit Gott zu versöhnen, Gott als den Höchsten anzuerkennen und auf sein Wort zu hören. “Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.” (Mt 4, 10b)

Darauf habe ich wie folgt geantwortet:

Da ich es aus meinem Demokratieverständnis heraus begrüsse, wenn sich auch der Religion zugewandte Menschen mit genussvollen Dingen beschäftigen, z.B. indem sie meinen Blog lesen, nehme ich mir auch die Zeit, hierauf zu antworten.
Selbstverständlich weiss ich, was Fasten ist und was die Kirche unter Fasten versteht bzw. anweist.
Hier ergibt sich aber das erste grosse Problem:
Als überzeugter Atheist kann ich mit all den systemimmanenten Riten und deren Begründungen nichts anfangen. Es würde zu weit führen, hieraus nun eine grundsätzliche Diskussion zu beginnen. Mein Beitrag war eher an die Menschen gerichtet, die sich unbewusst oder unreflektiert ernähren und eine kurze von der Kirche vorgegebene Zeit zum Anlass nehmen, sich einmal zwei Wochen „gottgefällig“ zu verhalten. Das ist für mich scheinheilig, genau wie der weihnachtlliche Besuch der Messe.
Ich steh zu dem, was ich gesagt habe. gelebter Genuss gibt Selbstzufriedenheit. Ob es dem Herrn gefällt, der für mich ohnehin nicht existiert, ist mir Wurscht.

_____

Was ich hier auf keinen Fall will ist ein Forum für theologische Grundsatzdiskussionen. Ich will weder missioniert noch veranlasst werden, diesen Leuten den für mich richtigen Weg zu weisen. Alle religösen Fundamentalisten, seien es Veganer, Katholiken, Islamisten mögen sich bitte raushalten. Ihr habt mit Eurem Glauben genug zu schaffen.

Ich suche – frei nach Rabelais – die göttliche Flasche Wein.



14 Responses to “Oops, 3. – Fasten mit Fressack, 2. – Jetzt sind die Religiösen betroffen.”

  1. 1 Holgi

    Eine Frage an den werten religiösen Commentator bzgl. ‚Umkehr‘ sei dennoch erlaubt:
    Ist stelle mir das langweilig vor – jedes Jahr immer zur Fastenzeit umkehren. Jedes Jahr immer wieder den selben Weg, immer hin- und her?
    Und was die Buße und das niederwerfen angeht halte ich es als Hanseat und geborener Hamburger wie immer: ‚Hamburger knien vor niemandem‘.
    SCNR…

    Holgi, der durchaus glaubt daß es einen Schöpfer geben muß – aber mit göttlichem Bodenpersonal jeglicher Couleur nix zu tun haben will…

  2. Eieiei, warum bin ich nur so bequem und warte immer auf die Mainstreamsignale, um wieder mal ein bisschen herumzuexperimentieren – jetzt bin ich doch glatt ein scheinheiliger Fundamentalist. Aber wenn ich grad jetzt nicht fasten würde – würde ich da via Fressack nicht auch das Ritual als Maßstab nehmen? Und: Wenn ich es wann anders mache, diskutiert einfach keiner so schön mit einem drüber.

  3. 3 fressack

    @sebastian:
    Du musst erst einmal geläutert werden, was die korrekte Benennung von getränken und Nichtgetränken betrifft. Ha,ha.

    Off topic: Habe den Küchenchef der Bogenhausener hermannsdorfer Werkstätten kennengelernt. Hingehen!

  4. Und dann sagte Herr Belloc zu Herrn Rabelais:

    Wherever the Catholic
    sun doth shine,
    There’s always laughter and
    good red wine.
    At least I’ve always
    found it so.
    Benedicamus Domino!

  5. 5 fressack

    Das ist eine gescheite Replik.

  6. Deo et dilettanto gratias!

  7. 7 fressack

    Et in vino veritas.
    Jetzt ist aber mal langsam genug. Auch ich habe das grosse Latinum (mit 3!), schätze aber diese Sprache nicht.

  8. das klingt gar nich sooo provoziert, mehr so bemüht aufklärend?
    sie wollen doch auch bloss spielen …

    da hat man’s als buddhist doch echt jut, immer lecker reis, nich‘ so’n firlefanz.

  9. @creezy

    Ich find bei Nierchen hat´s der Nichtbuddhist leichter!

  10. ach das mit der wiedergeburt blenden die an der stelle doch galant aus ,-)

  11. 11 Petra S.

    @off topic: Ist das der Franz aus dem Bistro ÖQ gewesen?

  12. 12 fressack

    @Petra S.: Ich suche derzeit verzweifelt die Visitenkarte, aber er hat von Bistro gesprochen.

  13. 13 Petra S.

    Dann ist er´s bestimmt. Ein Kollege von mir ist mit ihm schon ein paar mal über die Alpen geradelt und hat mir schon so oft versprochen, dass wir da mal zum Mittagessen hingehen, wenn wir einen passenden Termin haben. Aber Rettet-das-mittagessen gibt es ja nicht umsonst, bisher hat es noch nie geklappt. Wenn die Empfehlung nun von so weit her kommt – muss es aber bald was werden.
    Noch was:
    Ich glaub das ist jetzt mein dritter Kommentar. Bin ich jetzt tatsächlich beim „harten Kern“ 😉 und soll ich mich echt dazu trauen am 19.04. ? Im Moment trau ich mich noch nicht so recht unter die schreibende Familie.

  14. 14 fressack

    Harter Kern, klar. Du sollst ja am 19.04. nicht schreiben, sondern babbeln und geniessen.


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