Fasten mit Fressack. – Ein Ratgeber.

08Feb08

Lippenstiftspuren beseitigt, dubiose Flecken (Erbrochenes?) durch die Waschmaschine getilgt, den letzten Kater ausgeschlafen und die Pappnase zum Weihnachtsbaumschmuck auf den Dachboden verbracht. Fasching ist vorbei.

Die Waage zeigt unerwünschte Ausschläge in Richtung Übergewicht. Es werden wohl die Kreppel, die Schnäpse und die nächtlichen heisshungrigen Kühlschrankattacken nach den üblichen karnevalistischen Ausschweifungen der Grund sein.

Selbstverständlich trifft das auf mich nicht zu, lehne ich doch den organisierten und aufgesetzten Frohsinn rundweg ab. Da ich das ganze Jahr über lustig und gut drauf bin – schliesslich bin ich Apfelweintrinker – habe ich niemanden nötig, der mir bestimmte Zeiten zum Fröhlichsein vorgibt.

Nun nutzen aber viele, die sich haben gehen und die Kuh fliegen lassen, diese Tage, um christlich verbrämt und religiös begründet Körper und Geist zu „entschlacken“-

Ich finde ja, dass eine Entschlackung nur dann nötig ist, wenn man seinem Körper diese Müllstoffe vorher zugefügt hat. (Schönen Gruss an dieser Stelle an unsere veganen Chefköche)

Wenn man es so betrachtet, lebe ich das ganze Jahr rein und massvoll, ganz einfach, weil ich gesunde, natürliche Produkte zu mir nehme, Speisen und deren Zubereitungen meide, die diverse E-Stoffe und dubiose Chemikalien beinhalten. ICH esse Bioeier und trinke handwerklich gekelterten Apfelwein.

Wenn Fasten heisst, seinen Körper reinzuhalten von schädlichen Stoffen, dann ist das hier meine Anleitung zum idealen Fasten:

Trinkt gute Weine. Esst gutes Fleisch, eher wenig, aber besseres. Besser noch: esst mehr besseres Fleisch. Kauft Köstlichkeiten. Teilt mit Freunden. Feiert Feste.

Lacht über die armen Narren, die sich in den vergangenen Wochen mit drittklassigen Getränken und Fastfood in zweifelhafter Gesellschaft ohne grossen intellektuellen Anspruch vergnügt haben. Geniesst, was das Zeug hält, füttert Euren Geist. Kocht gut für Euch, für die Familie, für Freunde.

Esst, trinkt, habt Spass dabei.

Wenn das dem Herrn nicht gefällt, hat er eben Pech gehabt.



18 Responses to “Fasten mit Fressack. – Ein Ratgeber.”

  1. Perfekt, ich bin begeistert und unterschreibe jedes Wort. (außer das mit Müll und vegan, aber das scheint hier so eine Art running gag zu sein… ;-))

  2. 2 fressack

    Schau mal bei vegan cooking rein, dann verstehst Du das mit dem Müll.

  3. Meine Verehrung. So ist es, so sei es.

  4. „Entschlacken ist medizinischer Nonsens, Hungerkuren können ungesund sein“: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/artikel/764/156352/

    Ich frage mich, ganz populärpsychologisch, ob Selbstkasteiung wirklich zu einem besseren Lebensgefühl vehilft als Dankbarkeit für Genüsse.

  5. ich hab noch gefastet. mir wollte nie in den kopf, warum es gut sein soll tagelang auf vitamine zu verzichten? die leute in meinem umfeld, die gefastet haben, haben mir immer mit der zeit angst bereitet, die haben irgendwann dieses starren blick und reden komisches zeug. echt komisches zeug.

  6. @ kaltmamsel: Das mit dem besseren Lebensgefühl kommt von den Endorphinen, die ausgeschüttet werden um die Hungerschmerzen zu betäuben.
    P.S. Ich hatte „Dankbarkeit für Gemüse“ gelesen. Ist das wohl was Ernstes?

  7. Wenn das dem Herrn nicht gefällt, ist er keiner.

  8. Write on!

  9. dreimal gelesen, jetzt druck ichs aus und lass es einrahmen.

  10. Jo, so kann man es auch sehen. Ich brauch das Fasten weniger für das Entschlacken (ok, vielleicht brauchen ja, aber darum gehts mir nicht.) Aber wenn jemand damit nichts anfangen kann, dann empfehle ich die hier vertretene Ansicht.🙂

  11. „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage [..].“ J. S. Bach

  12. 12 Margarine

    Wunderschön geschrieben, fast eine Predigt!!
    Ich durck es aus und lese es vor dem Einschlafen noch mal durch.

  13. Full ACK.

  14. Halleluja!

  15. 15 bee

    Hmm… nun, vielleicht Fasten mit Diät verwechselt? Das mag ja passieren. Aber eigentlich passiert das nur Frauenzeitschriftenlesern, oder?

  16. Off topic:

    Ich hab mal ein Jahr in Sachsenhausen gewohnt, also heißt es nicht Äpfelwein?

  17. Je signe aussi. Ich bin übrigens noch nie einem französischen Katholiken begegnet, der der fastet. Für mich gehört das in der Kategorie „merkwürdige deutsche Sitten“.


  1. 1 Fasten at Commentarium Catholicum

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