Geschichten aus der Gruft, 3.

13Jul07

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist gerade in der Gastronomie mitunter enorm. Die Gruft, aus der ich berichte, ist mehrfach von diversen Führern ausgezeichnet worden. Darunter auch ein (Mach-) Werk mit italienisch klingendem Namen, dessen „Kritiker“ sich aus der Schar der Gäste rekrutieren.

Dass deren durch meist keinerlei Sachkenntnis getrübtes Qualitäts- und Technikverständnis auch keinen objektiven Überblick über Restaurants bieten kann, ist klar. Dies hier soll auch keine Gastrokritik-Kritik werden (die kommt später).

Schlimm nur, wenn durch eine Vielzahl von Plaketten und gerahmten Zertifikaten an der Türe weitere ahnungslose Kunden angezogen und den gleichen Schrecklichkeiten ausgesetzt werden. –

Ich möchte heute von einem Ballett berichten, aufgeführt von der Schar der Küchenhelfer. Wären gelernte Kräfte anwesend und wäre es mir gelungen, gegen den Willen der Betreiber so etwas wie eine Struktur in die Küche zu bringen, hätte jeder seinen Posten, an dem er zur Hochform auflaufen könnte.

So aber gerät die Truppe in Bewegung, sobald der Bondrucker mehr als zwei Bons ausspuckt. Jeder macht alles, und das gleichzeitig. Kühlschubladen – deren Böden irgendwie auch nicht oder nur selten gereinigt werden – werden aufgerissen und – damit es schneller geht – die benötigten Nahrungsmittel einfach mit der Hand in die bereitgehaltenen Gefässe geschleudert. Einzige Ausnahme bildet hier die Aioli, die für den Handbetrieb wahrscheinlich zu fettig wäre. Dafür steckt hier der Löffel gleich im Gefäss, wie lange schon, lässt sich nur vermuten.

Mit anmutigen Bewegungen verbringen nun die Mitarbeiter die diversen Schälchen und Tiegel in – richtig! – die Mikrowellengeräte. Davon gibt es zwei und die werden richtig ausgenutzt. Alles, was auf der umfangreichen Karte nicht fritiert oder wie die – übrigens sehr ordentlichen – Steaks gegrillt wird, erfährt seine endgültige Erhitzung in der Mikrowelle. Das gilt im übrigen auch für eine weitere Spezialität des Hauses, die Fajitas.

Üblicherweise sind dies à la minute gebratene mit knapp gegartem Gemüse vermischte Fleischstreifen. Die werden hier praktischerweise in großen Mengen vorgekocht und gleich mit dem Gemüse und einer leckeren „Fajitagrundsaucenzubreitung“ vermischt.

Auch dieses Produkt landet durch echte Handarbeit in seinem Tiegel und wird – mikrowellenerhitzt – auf dem gigantischen Teller mit dem heissen Stein präsentiert. Sieht auch ganz hübsch aus.

Warum alle zwei Tage der Oktopussalat schlecht ist, schlierig aussieht und säuerlich riecht, hat von den „Handarbeitern“ bislang noch niemand herausgefunden. Auf mein zartes Vorhalten, dass man doch mit Löffeln arbeiten solle, erklärte man mir nur, dazu sei zuviel los.

Ach so.



2 Responses to “Geschichten aus der Gruft, 3.”

  1. nix gegen kuechenhelfer, ja!!
    ich wuerde schon aus selbstschutz meine finger in keinen oktopussalat stecken, baeh.
    wann kommt die gastrokritik-kritik? ich bin sehr gespannt…

  2. 2 Holger

    Großer Gott im Himmel….

    …. jetzt ist mir schlecht!!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: