Geschichten aus der Gruft, 2.

10Jul07

Frischeküche ist, was wir alle wollen.

Betriebe mit hohem Umschlag, die alle zwei Tage 25kg Champignons frisch schneiden, jeden Tag 15kg Paprika zerteilen usw., sind nicht oft zu finden. Auch das Frischfleisch, das täglich angeliefert wird, lässt mich über mein anfängliches Entsetzen ob der hygienischen Verhältnisse erst einmal hinwegsehen.

Mitansehen zu müssen, wie die Mitarbeiter mit völlig ungeeigneten, weil seit einem Jahr nicht geschliffenen Messern auf diese Produkte losgehen, ist allerdings eine Zumutung. Frische Lammrücken werden zerhackt (das ist genau das richtige Wort)  und, damit die Stücke (ursprünglich Koteletts) auch gleich aussehen, durch heftige Schläge mit dem Beil auf ca. 5mm plattiert. Dann stehen sie als „Lammnüsschen“ auf der Karte und die knusprig gegrillten Knochensplitter machen wohl den Unterschied zu Koteletts in anderen Lokalen aus.

Der Horror setzt sich fort beim Schwein.

Obwohl mir unverständlich ist, warum in einem spanisch-südamerikanischen Restaurant Schnitzel Wiener Art und Schnitzel paniert, mit (Dosen!)-Spargel und Käse überbacken und mit (Tüten!)-Hollandaise übergossen angeboten werden und mir noch unverständlicher ist, dass es Gäste gibt, die so etwas bestellen und essen, habe ich mir das drei Tage mit angesehen. Überflüssig zu erwähnen, dass die frisch geschnittenen und handpanierten Teile in der Friteuse zubereitet werden.

Die ist übrigens auch der bevorzugte Aufenthaltsort für alle Arten Spiesse, die nur für die Optik – Grillstreifen – auf dem Lavagrill angetoastet werden.

Endgültig überzeugt von den Vorteilen dieser Ölsiedevorrichtung war ich allerdings, als eine Bestellung für Schweinefiletmedaillons (€ 15,80) einging und ich diese aussagen wollte, weil keine mehr da waren.

In einer beispiellosen konzertierten Aktion zweier Mitarbeiter gelang es, diese Bestellung doch innerhalb von 10 Minuten auszuführen:

Ein Schweinefilet wurde aus dem in Reichweite befindlichen Tiefkühler gezerrt, mit der Plastikhülle in die Mikrowelle geschoben und dort für drei Minuten vorgegart, dann von der Pelle befreit, mit etwas Kraft in Medaillons ge-schnitten/-drückt/-sägt und auf dem Grill mit den leckeren Röststreifen versehen. Während der Teller mit den Pommes (aus der zweiten Ölwanne) und der Tütensauce vorbereitet wurde, bekamen die Medaillons ihren letzten Schliff in der Friteuse, um schliesslich punktgenau gegart dem Gast verabreicht zu werden.

Der fand das, glaube ich, sogar lecker.

Ich denke, für heute ist das genug für schwache Nerven.

Morgen mehr.



5 Responses to “Geschichten aus der Gruft, 2.”

  1. berichtest Du aus Transsylvanien ?

  2. 2 fressack

    Nein, bittere Realität aus Frankfurt/Main.
    Da kommt noch mehr.

  3. haha, die messer, die wandern auch immer in die spuelmaschine, richtig?
    wg der hygiene 😉
    solche gibt es bei meinem derzeitigen job auch, sogar die mit wellenschliff sind stumpf, aber die kluge frau bringt ja eigenes material mit…

  4. 4 Bolli

    Jetzt hast Du dann die Himbeeren verdient…..ganz frisch!

  5. 5 Bolli

    Jetzt hast Du dann die Himbeeren verdient…..ganz frisch!


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