Fasten mit fressack – Der Ratgeber, reloaded.

17Feb10

Lippenstiftspuren beseitigt, dubiose Flecken (Erbrochenes?) durch die Waschmaschine getilgt, den letzten Kater ausgeschlafen und die Pappnase zum Weihnachtsbaumschmuck auf den Dachboden verbracht. Fasching ist vorbei.

Die Waage zeigt unerwünschte Ausschläge in Richtung Übergewicht. Es werden wohl die Kreppel, die Schnäpse und die nächtlichen heisshungrigen Kühlschrankattacken nach den üblichen karnevalistischen Ausschweifungen der Grund sein.

Selbstverständlich trifft das auf mich nicht zu, lehne ich doch den organisierten und aufgesetzten Frohsinn rundweg ab. Da ich das ganze Jahr über lustig und gut drauf bin – schliesslich bin ich Apfelweintrinker – habe ich niemanden nötig, der mir bestimmte Zeiten zum Fröhlichsein vorgibt.

Nun nutzen aber viele, die sich haben gehen und die Kuh fliegen lassen, diese Tage, um christlich verbrämt und religiös begründet Körper und Geist zu “entschlacken”-

Ich finde ja, dass eine Entschlackung nur dann nötig ist, wenn man seinem Körper diese Müllstoffe vorher zugefügt hat. (Schönen Gruss an dieser Stelle an unsere veganen Chefköche)

Wenn man es so betrachtet, lebe ich das ganze Jahr rein und massvoll, ganz einfach, weil ich gesunde, natürliche Produkte zu mir nehme, Speisen und deren Zubereitungen meide, die diverse E-Stoffe und dubiose Chemikalien beinhalten. ICH esse Bioeier und trinke handwerklich gekelterten Apfelwein.

Wenn Fasten heisst, seinen Körper reinzuhalten von schädlichen Stoffen, dann ist das hier meine Anleitung zum idealen Fasten:

Trinkt gute Weine. Esst gutes Fleisch, eher wenig, aber besseres. Besser noch: esst mehr besseres Fleisch. Kauft Köstlichkeiten. Teilt mit Freunden. Feiert Feste.

Lacht über die armen Narren, die sich in den vergangenen Wochen mit drittklassigen Getränken und Fastfood in zweifelhafter Gesellschaft ohne grossen intellektuellen Anspruch vergnügt haben. Geniesst, was das Zeug hält, füttert Euren Geist. Kocht gut für Euch, für die Familie, für Freunde.

Esst, trinkt, habt Spass dabei.

Wenn das dem Herrn nicht gefällt, hat er eben Pech gehabt.

Das habe ich letztes Jahr zum Aschermittwoch geschrieben, als kleinen Ratgeber für die, die meinen, für ein paar Wochen ein dem Herrn gefälliges Leben führen  zu müssen.  Obwohl ich hier damit klerikalen Unmut hervorgerufen habe, schrecke ich vor einer Neuauflage meines kleinen Traktats nicht zurück. Denn trotz mehrfacher Aufforderung hat sich im Laufe des vergangenen Jahres der Herr noch nicht bei mir gemeldet oder mir ein Zeichen gegeben.

Die aufgeführten Verhaltensratschläge sind aktueller denn je, sind doch grundsätzlich die genussfeindlichen Verhältnisse gleich geblieben. Es gilt auch nichts zu verändern oder abzuschwächen.

Ich bleibe dabei.



10 Responses to “Fasten mit fressack – Der Ratgeber, reloaded.”

  1. das eigentlich dramatische am fasten ist die tatasache, dass bei einem bedauerlich grossen teil der praktizierenden eine bereits ganzjährige mentale fastenzeit vorangegangen ist, 12 monate völliger verzicht auf grütze und brägen hinterlassen spuren! und was den herrn betrifft, kann ich auch nicht behaupten, dass er der bitte, er möge hirn vom himmel regnen lassen, allzu generös nachkommt.
    is gezz aber nur! meine meinung, nicht dass irgendjemand in deiner sehr! interessanten leserschaft auf die idee käme, ich sei mit einem globalen sozialisationsauftrag unterwegs…
    p.s danke für die vielen anregenden beiträge in deinem blog, über den tellerrand gucken macht spass!

  2. Das kann ich Wort für Wort unterschreiben. Mass halten, von allem etwas, von allem die beste Qualität. Dann brauchts keine Fastenzeit.

  3. 3 dentdelion

    ich kenne veganer und veganes essen und habe im prinzip weder etwas gegen diesen lebensstil als solchen, noch gegen seine anhänger.ich finde sogar einige vegane gedanken nachvollziehbar. eine freundin von missionarentum bin ich allerdings nicht,auch nicht von diesem alternativen separatismus, den einige gern betreiben, vor allem im internet. gutmenschendünkel stinkt sowieso.
    meine kommentare bei VA sind,glaube ich, eindeutig, was meine meinung über die ergüsse dieser dame betrifft. ;)

  4. Stimmt. Ich habe vorhin zu schnell gelesen und zu schnell bei Dir kommentiert.
    Das ist eine gute Haltung, die Du zeigst.
    Vielleicht fühlst Du Dich ja hier wohl.

  5. 5 Ulla

    Also, lieber Fressack, ich kann von Deinen Ansichten sehr viel nachvollziehen. Als Norddeutsche (wobei – am Bodensee fand ich Fastnacht schön, dort hat das noch viel Spontanes und Überraschendes, so habe ich es jedenfalls erlebt) ist Fasching ohnehin nicht mein Ding. Und ungläubig bin ich sowieso. Ich bin dennoch der Meinung, der Klerus hat einige Verdienste: Klosterbrauereien, Klosterliköre, die Anwendung von Heilkräutern usw. So denke ich auch, dass die Idee vom Fasten – jenseits der Argumentation der Selbstkasteiung aufgrund vorangegangener Ausschweifung – durchaus der körperlichen Gesundheit dient und dass schlaue Mönche das gewusst haben. Ich faste ca. einmal im Jahr ca. 10 Tage – kombinert mit ganztägigen Wanderungen – und fühle mich dabei und anschließend sauwohl.
    Für mich ist die Nutzanwendung: Obwohl ich vieles nachkoche ( und esse), was bei den wunderbaren Foodbloggern in Deinem Umfeld so steht – ich bleibe so bei Konfektionsgröße 36/38. Bei aller Mäßigung schaffe ich das ohne die o g. Auszeit nicht. Bei aller Schlemmerei muss man sich ja auch schön finden. L. G.

  6. 6 fressnet

    @ fressack: Mir hat Dein Artikel gefallen, und dass Du auf Bibelzitate mit Kochbuchzitaten antworten würdest, find`ich köstlich. Beim Kochbuch zeigt sich doch im Resultat, ob man verstanden hat, was in der “heiligen Schrift” steht.
    @ Ulla: Kriegt man beim Fastenwandern eigentlich so einen Endorphin-Kick oder andere Rausch-Euphoriezustände, und wie lange halten die an?

    • 7 ulla

      Als Mensch mit viel Bodenhaftung passiert mir so etwas nicht so leicht. Auch bei meinen Mitwanderern habe ich keine Verhaltensauffälligkeiten dieser Art bemerkt. Aber man fühlt sich schon sehr beschwingt und leicht im doppelten Wortsinn und das hält Wochen.

  7. Schöner post und sicher jedes Wort davon richtig, aber letztlich wird jeder mit seiner methode glücklich und das ist ja auch gut so, ne? LG shoushou

  8. das mit der Entschlackung ist übrigens totaler Blödsinn, es gibt gar keine “Schlacken”. und selbst wenn, was bringt es, zu entschlacken und ein paar Tage wieder zuzumüllen? das ist so wie “ich rauche 2 Tage nicht und danach darf ich dann die doppelte Menge”.

    wird jetzt eigentlich jeder Post genutz, um gegen Veganer zu hetzen? hier ein “veganer Fraß ist Müll”, da ein “vegane Spinner” am Rande.

    ich weiß ja net wie s den andern geht, aber ich finds einfach nur nervig.

    • Ich stimme zu, was die Schlacken angeht. Und genau darum geht es ja in dem Beitrag.

      Der kleien Seitenhieb (“vegane Chefköche”) bezog sich klar auf Freund “ente” von vegan cooking (siehe Müllroll). Das ist so ein trauriges Beispiel, das mich genau bestätigt.
      Leider ist der Kerl faul geworden und schickt mir weder Hassmails noch postet er neue Bilder vob Dinosaurierexkrementen.


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